Preis

PREISAUSSCHREIBUNG 2004

Die "Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie" unterstützt als gemeinnützige Stiftung Forschungsvorhaben, Bildungseinrichtungen und Realisierungsprojekte, die einen Beitrag zur humanen Nutzung der Informationstechnologie leisten. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der humanen Gestaltung des Arbeits- und Erwerbslebens. Im Rahmen ihrer Fördervorhaben vergibt die "Integrata-Stiftung" 2004 erneut den Preis für humane Nutzung der Informationstechnologie mit dem Themenschwerpunkt

  • VERKEHRSENTLASTUNG durch Telematik und Telekooperation

Der ständig zunehmende Verkehr auf unseren Straßen ist längst zu einer Belastung der Umwelt und der Lebensqualität geworden, die der energischen Gegensteuerung bedarf. Dass der Finanzminister damit die Hoffnung verbindet, die Steuereinnahmen zu erhöhen, ist unter diesen Umständen fast Nebensache. Die humane Nutzung der Informationstechnologie weist in Richtung Verkehrstelematik und Telecommuting.

Beide Themenbereiche werden zusammen ausgeschrieben:

1. TELEMATIK - Potential-Erschließung für ein verbessertes Verkehrsmanagement

Der zurückhaltende Ausbau der Verkehrsinfrastrukturen in der Vergangenheit führt heute zu der Notwendigkeit, die vorhandenen Kapazitäten bestmöglich zu nutzen. Bestehende Überlastungen sind zurückzuführen auf permanente Übernachfrage, vor allem in der Morgen- und Nachmittagspitze, auf temporäre Faktoren wie Baustellen oder Verkehrsunfälle oder auf singuläre Ereignisse wie Großveranstaltungen. Das Nachfragemanagement mit Wechselwegweisung, Fahrstreifenwechsel, Verkehrsrundfunk hat punktuell durchaus fühlbare Entlastungen gebracht.

Verbesserungen der Information durch Telematik ist ein Hoffnungsträger, der in Politik und Wirtschaft nach wie vor einen hohen Stellenwert hat. In einer Reihe von Studien konnten erhebliche Potentiale zur Verbesserung der Kapazitätennutzung aufgezeigt werden. Offenbar ist es bislang nicht gelungen, diese Potentiale zu erschließen. Einer der Gründe für das Auseinanderklaffen von Erwartungen und Wirklichkeit ist darin zu sehen, dass der Einsatz der Telematik stark auf die Veränderung der Routenwahl konzentriert wurde, sich also auf einen Zeitpunkt bezog, zu dem die Fahrtentscheidung getroffen und eventuell die Fahrt bereits angetreten war (on trip-Information). Falls während der Fahrt ein Stau auftritt, so sind die positiven Wirkungen von Routenempfehlungen begrenzt, weil auch die Alternativrouten schnell verstopft sind. Es ist nicht einmal sichergestellt, dass die Anwender von Navigations-Systemen gegenüber den Nicht-Anwendern Vorteile haben.

Die Konzentration auf die on trip-Information und die damit verbundenen komplexen Probleme der dynamischen Informationsanpassung und -verteilung haben die Bedeutung der pre trip und post trip-Information in den Hintergrund treten lassen. Dabei liegt in diesen Bereichen möglicherweise ein größeres Potential für die Beeinflussung der Verkehrsnachfrage. Mit der Überbewertung der on trip-Information einher ging die Konzentration auf den Personenverkehr. Dabei liegt die Wachstumsdynamik in der Zukunft ganz eindeutig beim Güterverkehr. Die Disponenten von Gütertransporten sind für ergebniswirksame Verbesserungen in der Logistik, im Fuhrparkmanagement oder in der Standortplanung für Verteilzentren wesentlich empfänglicher als Pkw-Benutzer, die stärker an Routinen gebunden sind.

Dieser Teil der Ausschreibung wendet sich an Wissenschaftler, Organisatoren und Berater, die mit der Entwicklung und Implementierung von Telematik-Konzepten im Verkehr befasst sind und hierzu einschlägige Studien erstellt und veröffentlicht haben bzw. dies beabsichtigen.

Von Interesse sind dabei:

  • die Bedeutung von pre- und post trip-Informationen im Personen- verkehr,
  • die Akzeptanz von Techniken, wie zum Beispiel Personal Travel Assi- stants,
  • die Verknüpfung von Verkehrsinformation mit anderen wertsteigernden Informationen,
  • die Problematik der Differenzierung von Informationen für verschiedene Adressaten-gruppen im Personenverkehr,
  • die wünschenswerten Ausstattungsgründe mit on-board units,
  • die Effekte einer Verbindung von Verkehrsinformation und Road Pricing,
  • die Integration der Verkehrsinformation in Logistik-Prozesse,
  • die Differenzierung der Verkehrsinformation nach städtischem Wirt- schaftsverkehr und überregionalem Güterverkehr,
  • die nachfrageausgleichende Wirkung von Telematik-gestützten Ver- kehrsmanagement-Systemen.

2. TELECOMMUTING - Verkehrsentlastung durch Telekoopera- tion

Auf ganz anderer Ebene als die Verkehrstelematik liegt die Verbesserung der Verkehrssituation, die sich durch Telekommunikation ergeben könnte. Die täglichen Pendlerströme, das "Commuting" könnte durch "Tele-Commuting" wenigstens teilweise ersetzt werden.

Der tägliche Verkehr ist durch zwei Spitzenbelastungen am Morgen und am Spätnachmittag geprägt, die ihre Ursache wesentlich durch Berufs- und Geschäftsaktivitäten haben. Eine wirksame Entzerrung der Spitzenverkehre ließe sich dadurch erreichen, dass berufliche Aktivitäten vom Arbeitsstandort zum Wohnstandort verlagert werden. Dies kann in Arbeitsbereichen möglich sein, in denen die notwendige betriebliche Kommunikation zumindest zeitweise mit Hilfe von Telekommunikationseinrichtungen durchgeführt werden kann.

Für dieses virtuelle Berufspendeln bzw. Telecommuting wurden in der Vergangenheit hohe Potentiale geschätzt, die in Deutschland bislang bei weitem nicht erreicht wurden. Die Frage folgt, ob die Änderungen in der Arbeitswelt mit der anteiligen Zunahme an Dienstleistungen einerseits, dem individueller werdenden Zuschnitt der Leistungsteile und den flexibler gestalteten Arbeitsverträgen andererseits eine Ausdehnung des Telecommuting bewirken wird. Die raschere Entwicklung dieser Form der Telekooperation in anderen Ländern, zum Beispiel den USA, deutet darauf hin.

Dieser Teil der Ausschreibung wendet sich an Wissenschaftler, Organisatoren und Berater, die mit der Entwicklung und Implementierung von Telecommuting-Konzepten befasst sind und hierzu einschlägige Studien erstellt und veröffentlicht haben bzw. dies beabsichtigen. Es geht um die Identifizierung von "Best Practice"-Fällen, die beispielgebend für die weitere Entwicklung des Telecommuting sein können.

Von Interesse sind dabei vor allem:

  • die Auslöser, die zu Telecommuting-Entscheidungen geführt haben,
  • die Bereiche, in denen Telecommuting eingeführt wurde,
  • die Installation für das Telecommuting,
  • die Voraussetzungen, welche vorliegen mussten, um den Betrieb vom Nutzen dieser Strategie zu überzeugen,
  • die Voraussetzungen, welche vorliegen mussten, um die Akzeptanz der Mitarbeiter zu gewinnen,
  • die Arbeitsinhalte, die dezentral bearbeitet und durch Daten- übertragung mit anderen Stellen des Betriebs ausgetauscht werden,
  • die Änderung der Tagesabläufe der Betroffenen (Aktivitätenmuster), - die Änderung der Verkehraktivitäten der Betroffenen,
  • die geschätzte Entlastung, die für die Spitzenverkehrszeiten erreicht wird
  • mögliche Einschätzungen der Betroffenen zur Wirksamkeit der Strategie in ihrem persönlichen Umfeld.

Vergabe-Modalitäten

Der "Preis für humane Nutzung der IT" ist gedacht für herausragende Beiträge zur Umsetzung der modernen Informationstechnologie im Sinne einer humanen Nutzung der Informationstechnologie, für Arbeiten, die einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Arbeits- und Erwerbslebens leisten und damit zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen. Dabei ist es gleichgültig, auf welchen Teil der Ausschreibung sich eine Einreichung bezieht. Beiträge zur Verkehrstelematik und/oder solche zur Telekooperation mit Bezug auf Verkehrsentlastung werden als gleichwertig angesehen. Im Vordergrund steht der pragmatische Gesichtspunkt, d.h. es werden vor allem solche Arbeiten gefördert, die über den Erkenntnisfortschritt hinaus Gestaltungsvorschläge unterbreiten.

Der Preis ist mit 10.000,- € dotiert und kann auf bis zu drei Preisträger verteilt werden. Über die Preisvergabe entscheidet das Kuratorium der Stiftung, das sich aus Persönlichkeiten der Wissenschaft und der Wirtschaft zusammensetzt. Entscheidungen des Kuratoriums sind endgültig und können nicht angefochten werden. Die Tätigkeit im Kuratorium ist ehrenamtlich.

Die Preisträger erhalten ggf. die Möglichkeit, ihren Beitrag in der Preisverleihungsveranstaltung im November 2004 selbst zu präsentieren und/oder in einer der Stiftung angegliederten Schriftenreihe zu publizieren. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Arbeiten müssen in dreifacher Ausfertigung in deutscher oder englischer Sprache mit erschöpfender und klarer Beschreibung des Projekts, ausführlicher Begründung und erläuterndem Kurzprofil des Bewerbers bzw. der Institution an die

Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie

Schleifmühleweg 70
72070 Tübingen
Tel.: 07071 / 408-698
Fax: 07071 / 408-699
E-Mail: info [at] integrata-stiftung.de

eingereicht werden. Darüber hinaus bitten wir Sie anzugeben, auf welche Weise Sie von der Preisausschreibung erfahren haben. Die Ausschreibungsfrist endet am
31. August 2004.

Diese Ausschreibung sowie die bisherigen Schwerpunkte und Preisträger sind im Internet unter www.integrata-stiftung.de "Heilmann-Preis" einzusehen.

Darüber hinaus können Sie sich in der dort hinterlegten "Stiftungs-Agenda" ausführlich über Aufgabe, Ziel und Arbeitsweise der Stiftung informieren. Unter der Rubrik "Stiftungs-Dialog" können Sie ihre Beiträge und Fragen plazieren, die wir an gleicher Stelle beantworten werden.

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