Teleprozesse

 

Wir gehen davon aus, dass für die humanere Gestaltung der neuen Gesellschaft die zunehmende Virtualisierung allen Geschehens von zentraler Bedeutung ist. Dieser fundamentale Prozess, mit dem die Wiedergabe und Beeinflussung der Realität durch Informations- und Kommunikationsmedien gemeint ist, geht über die bloße Verarbeitung von Informationen weit hinaus. Die realen Prozesse werden vielmehr informationell umgewandelt und überlagert oder ersetzt durch TELEPROZESSE mit Hilfe von Computern und Netzen. Sie stellen den Schwerpunkt dar, auf den sich die Integrata-Stiftung konzentriert:

Die Telekommunikation ersetzt, erweitert und verändert die Kommunikationsprozesse grundlegend. Einerseits wird es möglich, weltweit mit jedermann multimedial zu kommunizieren - was vor allem im dienstlichen Sektor in hohem Maße genutzt wird - andererseits verwenden die Menschen immer weniger Zeit auf persönliche Gespräche. Auch das persönliche Kommunikationsverhalten "virtualisiert" sich.
Die Telematik - ein aus Telekommunikation und Automatik gebildeter Begriff - steuert und regelt die Produktions- und Verkehrsprozesse und besitzt das Potential, diese soweit zu automatisieren und zu rationalisieren, dass menschliche Arbeit im materiellen Arbeitsprozess immer weniger zu leisten ist. Roboter und Robotersysteme werden allgegenwärtig. Menschliche Arbeit wird dadurch nicht verschwinden, sondern weiterhin in den vorbereitenden Prozessen der Planung und Entwicklung sowie im Marketing der Produkte geleistet.
Die Telemedizin, d.h. die computergestützte Ferndiagnose und -therapie wird nicht nur Alten und Kranken helfen, die sich nicht mehr gut bewegen können, sondern medizinische Dienstleistungen auch an die Orte bringen, die medizinisch unterversorgt sind. Ihr Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität ist schon heute unübersehbar. Organisatorisch umfassen die Methoden und Techniken der Telemedizin materielle und informationelle Vorgänge. Die Telemedizin ist demzufolge zwischen Telematik und Telearbeit einzuordnen.
Die Telearbeit ist informationelle Arbeit, die an einem von der zentralen Betriebsstätte entfernten aber informationstechnisch mit diesem verbundenen Arbeitsplatz verrichtet wird. Sie verbreitet sich mit der informationstechnologischen Durchdringung des öffentlichen und des privaten Bereichs in verschiedenen Formen, als Tele-Heimarbeit bzw. alternierende oder mobile Telearbeit, als Onsite-Telearbeit oder Arbeit in Satellitenbüros und an anderen Orten. Telearbeit wird "ubiquitär" im wörtlichen und im zeitlichen Sinne, und selbst die verbleibende Arbeit in den zentralen Betriebsstätten wird zum E-working mit gewissen charakteristischen Zügen der Telearbeit, nämlich dem deutlichen Rückgang der persönlichen Kontakte im Arbeitsprozess.
Dieser Rückgang der Face-to-face-Kontakte deutet sich auch im Bereich des Lernens und der Wissensvermittlung an. Die Methoden und Verfahren des Telelearning und des Wissensmanagements beruhen ja weitgehend darauf, dass der Computer die Rolle des Lehrers und Informators übernimmt. Das ist insgesamt effektiver. Wenn es auch zu einer Verdünnung der menschlichen Kommunikation führen kann, wird es doch weltweite Verbreitung finden. Lebenslanges, effektives Lernen sowie der Zugriff auf das gesammelte Wissen der Welt sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Bewahrung unseres Lebensstandards sowie für die Verbesserung der Lebensumstände in den Entwicklungsländern und in den besonders rückständigen Gebieten der Welt.
Große praktische Bedeutung haben sodann die Teleprozesse im Bereich von Handel und Dienstleistung:
Unter Teleservice werden Dienstleistungsprozesse verstanden wie die weltweite Bereitstellung von Informationen über das Netz, die Vermittlung von Reisen, Wohnungen, Stellen, die Auslagerung von Dienstleistungen (Outsourcing), Steuerungs- und Überwachungsdienste sowie eine Vielzahl weiterer Services.
E-Commerce meint hingegen den Handel mit Waren über das Kommunikationsnetz, und E-Business schließlich die Anwendung der IuK-Technologie für praktisch alle zwischenbetrieblichen Geschäftsprozesse im regionalen wie auch im globalen Sinne des Wortes.
Teleservice, aber auch E-Business sind insofern als Telearbeitsprozesse zu sehen, als neben der Kommunikation vor allem die Arbeit das prägende Element dieser neuen Formen des Wirtschaftslebens ist. Sie ist einerseits Arbeit der Mitarbeiter und findet als Büroarbeit wie auch als Telearbeit statt. Darüber hinaus wird Arbeit in hohem Maße auf die Kunden abgewälzt. Telebanking und Teleshopping u.a. Spielarten des E-Business stellen Formen der Selbstbedienung dar, sind Tele-Selbstbedienung. Hier wird deutlich, dass die Virtualisierung wieder zu einem Abbau der Arbeitsteilung führt, bzw. führen kann.
Damit gewinnt die Telearbeit die Qualität der Telekooperation, der Zusammenarbeit über alle Betriebs- und Ländergrenzen hinweg. Sie kann als Tele-Arbeits-Kooperation, Tele-Handels-Kooperation und als Tele-Wissens-Kooperation oder gemischt erfolgen und zeigt am besten, welche Potentiale die Kommunikationstechnik zur weltweiten Veränderung des Arbeits- und Erwerbslebens besitzt, insbesondere wenn man davon ausgehen kann, dass Sprachübersetzungssysteme bald in geeigneter Form zur Verfügung stehen werden.

Dieser Transformationsprozess, der die westliche Industriegesellschaft innerhalb weniger Jahrzehnte in eine globale Informationsgesellschaft verwandelt hat, muss im Mittelpunkt aller Bemühungen um eine Verbesserung der Lebensverhältnisse a l l e r  M e n s c h e n stehen.

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